Vorgeschichte (Bilder folgen)
Sekundärbahnen
Sekundärbahnen erlebten ihre Blütezeit vor etwa 100 Jahren, als es noch keine Automobile in dem heutigen Ausmaß gab. Die Eisenbahnen verbanden zunächst vor allem Industriezentren und Ballungsräume und betrieben hauptsächlich den Güterverkehr. Mit dem Personenverkehr ließ sich jedoch kaum Gewinn erzielen, insbesondere bei normalspurigen Bahnen, da sowohl die Bau- als auch die Betriebskosten sehr hoch waren.
Für Kleinbahnen war es daher entscheidend, sämtliche Bau- und Betriebskosten so gering wie möglich zu halten. Es wurden leichte und einfache Lokomotiven sowie Wagen entwickelt, die einen leichten Oberbau erlaubten. Auf diese Weise konnte das Eisenbahnnetz weiter verdichtet werden. Hohe Geschwindigkeiten spielten dabei keine wesentliche Rolle. Die Lokomotiven benötigten nur geringe Leistung und kamen entsprechend ohne aufwendige Bremssysteme aus.
Spurweiten-Chaos
Im Laufe der Zeit entstand ein regelrechtes Spurweitenchaos, da bereits zahlreiche unterschiedliche Spurweiten existierten. Spurweiten zwischen 600 und 1000 Millimetern waren weit verbreitet und nahezu überall anzutreffen. Um diesem Zustand entgegenzuwirken, mussten einheitliche Regelungen gefunden werden.
Aus diesem Grund wurde im Jahr 1892 das Preußische Kleinbahngesetz beschlossen. Dieses Gesetz ermöglichte den Bau und Betrieb leichterer, einfacher und vor allem kostengünstiger Kleinbahnen und schuf damit eine wichtige Grundlage für den weiteren Ausbau des regionalen Eisenbahnnetzes.
Der Anfang begann in Lilienthal
Im Oktober 1891 regte der landwirtschaftliche Verein unter Führung von Johann Reiners
den Bau einer Eisenbahnstrecke von Bremen bis nach Hamburg in Normalspur (1435 mm) an. Zu dieser Versammlung
kamen etwa 200 Personen. Das war am 13. Dezember 1981.
Die Strecke sollte zunächst von Bremen-Horn über Lilienthal, Wilstedt, Zeven und Sittensen nach Hamburg führen.
Das Kriegsministerium in Berlin verlangte aber, dass auch Militärzüge die Strecke geleitet werden können.
Die hierfür benötigten 2 Mio. RM konnten aber nicht aufgebracht werden und so entschied man sich für eine
Kleinbahn in 1000 mm Ausführung und einer verkürzten Strecke von Bremen bis Tarmstedt.
Des Weiteren wurde auch über eine Verlängerung der Straßenbahn bis nach Lilienthal diskutiert, aber nicht
weiter verfolgt. Aus dem Vorhaben gründete sich eine Delegation, die mit ihrem Vorhaben nach Bremen reiste.
Reiners, Lilienthal
Dr. Ruckert
A.H. Michaelis
Luhrmann, Falkenberg
Lachmund, Borgfeld
Tietjen, Wörpedorf
Gieschen, Eickedorf
Fullfs, Grasberg
und weitere
Sie traf dort auf Zuspruch und bekam den Zuschlag für den Bau auf bremischen Staatsgebiet und einen Zuschuss
für weitere Grundstückskäufe von 30.000 RM. Die Stadt Bremen stellte hierfür auch kostenlos Grund und Boden
zur Verfügung. Die für den Bau benötigten Genehmigungsurkunden der Aufsichtsbehörden fehlten noch.
Bremen, den 22. Juni 1898
Stade, den 26. Juni 1898
Preußen, den 30. November 1898
Daraufhin wurde am 24. Juni 1898 die Bremisch Hannoversche Kleinbahn AG mit Sitz
in Frankfurt am Main gegründet. Sitz und Betrieb der Kleinbahn waren in Frankfurt am Main. Die
Aktiengesellschaft für Bau und Betrieb (ABB) übernahm die Betriebsführung und den Bau
vergab sie an die Firma Sprickerhoff in Hannover.
Die Zevener kamen zu spät – die Entstehung der Wilstedt-Tostedt-Zevener Eisenbahn
Auch der Kreis Zeven beschäftigte sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts mit dem Bau einer eigenen Eisenbahnstrecke, um die ländliche Region besser an die bestehenden Verkehrsnetze anzuschließen. Geplant war zunächst eine Strecke von Zeven über Tarmstedt, eventuell mit einer Verlängerung bis nach Wilstedt. Ziel war es, vor allem den Güterverkehr – etwa landwirtschaftliche Produkte, Torf und Holz – zu erleichtern und die wirtschaftliche Entwicklung der Region zu fördern.
Die Gemeinde Wilstedt stand diesen Plänen anfangs ablehnend gegenüber. Erst in letzter Minute änderte sich diese Haltung, und man erkannte die Bedeutung eines Eisenbahnanschlusses. Daraufhin wurde kurzfristig eine Delegation nach Bremen entsandt, um sich ebenfalls um eine Anbindung zu bemühen. Doch die Wilstedter kamen zu spät: Die Lilienthaler Delegation hatte sich bereits den Zuschlag für ihre Strecke von Bremen nach Tarmstedt gesichert. Damit war eine direkte Einbindung Wilstedts in dieses Projekt nicht mehr möglich.
Trotz dieses Rückschlags wurde die Eisenbahnplanung im Kreis Zeven weiterverfolgt. Das Ergebnis war die Wilstedt-Tostedt-Zevener Eisenbahn, eine Kleinbahn, die schließlich im Jahr 1917 eröffnet wurde. Sie verband Zeven über Tostedt mit Wilstedt und stellte den Anschluss an das normalspurige Staatsbahnnetz sicher. Wie viele Kleinbahnen jener Zeit war auch die WTZE kostengünstig gebaut, besaß einen leichten Oberbau und war für niedrige Geschwindigkeiten ausgelegt.
Die Bahn übernahm sowohl Personen- als auch Güterverkehr und spielte über Jahrzehnte eine wichtige Rolle für die Region. Mit dem zunehmenden Straßenverkehr verlor sie jedoch nach und nach an Bedeutung. Heute ist die Wilstedt-Tostedt-Zevener Eisenbahn vor allem als Museumsbahn bekannt und erinnert an die Zeit der Kleinbahnen, die einst das Rückgrat des Verkehrs im ländlichen Raum bildeten.